Die Lektion zum Nachlesen
Die fünf Grundlagen unvergesslicher Charaktere
Hier kannst du die Lektion in Ruhe nachlesen, auch ohne das Video.
Identifizierbarkeit / Identifikation
Du hast erst dann einen unvergesslichen Charakter, wenn sich der Leser mit ihm identifizieren kann. Und um sich mit ihm zu identifizieren, muss er sich für ihn interessieren. Das macht er, wenn er emotional investiert ist, wenn er etwas über die Figur lernt.
Man sagt oft, ein schlechter Anfang ist, wenn du gleich direkt in eine Verfolgungsjagd einsteigst. Ein schlechter Buchanfang ist, wenn du direkt jemanden umbringst. Und das stimmt überhaupt nicht. Du kannst ein Buch mit einer Verfolgungsjagd beginnen, du kannst ein Buch mit einem Mord beginnen, alles kein Problem. Aber du musst zuerst dafür sorgen, dass sich der Leser mit dieser Figur identifiziert.
Wenn du einfach jemanden umbringst und der Leser diese Figur nicht kennt, dann ist ihm das ziemlich egal. Wenn du aber zuerst die Basis legst und dem Leser zeigst, was das für eine Figur ist und wie dieser Charakter funktioniert, dann kannst du sie umbringen oder in eine Verfolgungsjagd stürzen. Du musst sie nicht gleich gut entwickeln wie den Protagonisten, aber der Leser muss sich um sie kümmern.
Normale Menschen in außergewöhnlichen Situationen
Bestimmt kennst du diese Filme, diese Bücher, in denen ein 08/15-Mensch, der einem normalen Job nachgeht, plötzlich in eine völlig außergewöhnliche Situation gestürzt wird und sich eines Problems annehmen muss.
Weil die meisten von uns ganz normale Menschen sind, können wir uns sehr gut mit solchen Situationen identifizieren: Das könnte uns auch passieren. Das kann ins Schlechte oder ins Gute gehen.
Eine außergewöhnliche Situation, die ins Gute geht, könnte ein Lottogewinn sein. Oder die Chance auf einen geheimnisvollen Traumjob: Du darfst für drei Jahre eine einsame Insel in der Karibik bewachen. Du kriegst ein Multimillionenhaus zur Verfügung gestellt und noch einen Helikopterpiloten. Ein bisschen übertrieben, aber du verstehst, was ich meine.
Oder im negativen Sinne: Man wird Zeuge eines Mordes und gerät ins Kreuzfeuer. Normale Menschen in außergewöhnlichen Situationen, das interessiert uns, weil wir das nachvollziehen können.
Wunscherfüllung
Wunscherfüllung heißt: Der Autor setzt sich hin und überlegt sich: Was wäre ich gerne? Tolle Beispiele sind James Bond, Batman und Jack Reacher von Lee Child. So starke Charaktere, die allen überlegen sind, denen nichts etwas anhaben kann.
Oder wenn du beispielsweise jemand bist, der in der Zeit zurückreisen könnte. Dinge, bei denen der Leser denkt: Das ist eine coole Idee, das wäre ich auch gerne. Das ist auch ein Punkt, der unvergessliche Charaktere macht.
Schauplatzbeschreibung durch die Augen des jeweiligen Charakters
Ich sitze in meinem Wohnmobil in den französischen Alpen. Ich blicke raus, sehe eine ehemals saftige Wiese und verfärbte Bäume. Es ist Herbst. Ich finde das wunderschön. Jemand anderes denkt vielleicht an hässliche, verfärbte Bäume und eklige Wiesen. Im Frühling könnte jemand beim Blick auf die blühenden Wiesen an seinen Heuschnupfen denken.
Jeder Mensch hat eine andere Meinung zu seiner Umgebung.
Die einen lieben es, auf den Markt zu gehen.
Bei den anderen steht der Markt im Weg, weil sie von A nach B wollen.
Ein identifizierbares Problem
Ein identifizierbares Problem ist etwas, das wir als Leser auch nachvollziehen können. Liebeskummer, Trauer oder beispielsweise in Krimis: Wir würden auch gerne so knifflige Fälle auflösen. Das spielt auch ein bisschen ins Wunschdenken hinein.
Mach dir Gedanken darüber, was du gerne liest. Das sind oft oder meistens auch Bücher mit identifizierbaren Problemen, also Dinge, die du dir auch sehr gut vorstellen kannst.
Das waren die fünf Grundlagen. Du hast die vollständige Probelektion gelesen.
